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Überraschungen sind in diesem Job garantiert

Wegen der Frankfurter Kriminalitätsstatistik ist Marcel Pütz noch nie angefragt worden. Dabei wäre das eigentlich naheliegend.

Der 54-jährige Mitarbeiter der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH leert die öffentlichen Papierkörbe. Da findet er schon auch hin und wieder mal Geldbeutel, die ein Taschendieb vermutlich schnell verschwinden lassen wollte. Pütz gibt sie natürlich bei der Polizei ab, die sie dann dem Besitzer zurückgibt. „Es gab Zeiten, da kannten sie mich auf der Wache in Frankfurt Bornheim sehr gut“, erzählt er.

Wie viele Geldbeutel es in 30 Jahren waren – so lange macht er diesen Job –, darüber hat der 54-Jährige nicht Buch geführt. „In letzter Zeit hat es aber deutlich abgenommen“, sagt er. Der Blick in die Polizeistatistik bestätigt seine Aussage. In Erinnerung geblieben ist Pütz aber ein Fall, bei dem er den Besitzer selbst aufgesucht hat. „Die Adresse war ganz in der Nähe, und der Schwerbehindertenausweis war noch drin.“ Selten zuvor und danach hat er eine solche Dankbarkeit wieder erlebt.

Andere Statistiken, wonach sich zum Beispiel immer weniger Menschen dem Rauchen hingeben, kann Pütz indes nicht bestätigen. Er leert pro Tag etwa 210 Papierkörbe, die er mit einem kleinen Transporter ansteuert. In machen Straßen kommt er täglich, in anderen seltener. Wie oft, weiß die FES-Straßenreinigung durch Erfahrung. „Auf der Eckenheimer Landstraße zum Beispiel gibt es viele Eisdielen“, erzählt Pütz. Wenn ich hier nicht öfter die Behälter reinige, verklumpt mir der Abfall schnell mit Resten der süßen Masse.“

Mit einem selbstgebastelten Draht kratzt Pütz die Verkrustungen vom Behälterboden los. Drei Handgriffe, und der Behälter ist gelöst, geleert und wieder gehängt. Papierkörbe bergen Überraschungen – zweifellos. Vor allem aber erzählen sie etwas über die Menschen, die ihn benutzen. „Sehr gut finde ich, dass die meisten Frankfurter inzwischen die Hinterlassenschaft von ihrem Hund in Tüten entsorgen“, lobt Pütz, der seiner Arbeit selbstverständlich nie ohne Handschuhe nachgeht.