Diese Website verwendet Cookies. Indem Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen finden Sie hier.

Reiniger mit Berufserfahrung

Was macht eigentlich ein Müllwerker, wenn er nach 25 Jahren Tonnenschleppen nicht mehr kann?
Plakat zum Thema Bedürfnisanstalten

Irgendwann sind Rücken oder Knie ermattet. Ohne Korrektiv würde er mit Anfang/Mitte 50 wohl ohne große Perspektive auf den freien Arbeitsmarkt entlassen. Was für ein würdeloses Ende eines Berufslebens im Dienst der Gemeinschaft!

Ein Korrektiv ist zweifellos die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH. Hier wird der Müllwerker weiterbeschäftigt: Auf einem der sechs Wertstoffhöfe oder eben als stolzer Reiniger, der sich um die elf öffentliche Toiletten kümmert, die das Unternehmen im Auftrag der Stadt Frankfurt betreibt. Elf von insgesamt ca. 50.

Bernhard ist 61, war früher Fahrer/Lader bei der Müllabfuhr, heute ist er Reiniger. Im Zweischicht-System kümmert er sich mit 15 Kollegen darum, dass elf Toilettenanlagen viermal am Tag sauber gemacht werden. Geringschätzung? „Selten. Die meisten Menschen, die wir bei der Arbeit treffen, sind freundlich. Freundlich und dankbar, dass wir diese Arbeit für Sie machen.“

Alles andere wäre auch seltsam. Immerhin geht es hier um ein menschliches Bedürfnis. Eins, das jeder kennt. Eins, das sich manchmal auch nicht verschieben lässt. Je nach Sauberkeit kann es mehr oder weniger angenehm sein. Bernhard sorgt dafür, dass es angenehm ist.

Jeden Morgen, 6.30 Uhr, fährt er los mit seinem Transporter, ausgestattet mit Wischmopp, Bürste, Gummischieber, Schrubber und einem Dreierlei an Spezial-Reinigungsmitteln. Der Ablauf vor Ort ist immer gleich: Gesamteindruck, Klopapier und Seife, Glas/Oberflächen, WC und Waschbecken, Boden, Funktionstest. Und zu guter Letzt: Störungen, Defekte und Vandalismus melden, damit sie zeitnah beseitigt werden.

Die öffentliche Toilette am Paulsplatz wurde in der „Frankfurter Neuen Presse“ schon mal als „Frankfurts edelste Bedürfnisanstalt“ gepriesen. Das ist kein Zufall und erlaubt auch Rückschlüsse für die anderen zehn. Die Frankfurter haben keinen Anlass zu klagen.

Öffentliche Toiletten gelten gemeinhin als Tabu-Thema. Nicht bei FES. Wir wissen, dass es wichtig ist. Wir wissen, wie es geht. Ach übrigens, die Neuvergabe für den Betrieb dieser öffentlichen Anlagen steht unmittelbar bevor. Es geht um ein allgemeines Bedürfnis. Und um 16 Arbeitsplätze.