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Sinkkästen sind eine sportliche Herausforderung

Immer wenn heftiger Regen über der Stadt niedergeht, dreht Timo sein Radio lauter. Der 41-jährige FES-Mitarbeiter leert in den westlichen Stadtteilen Frankfurts die Sinkkästen unter den Gullydeckeln.

Immer wenn heftiger Regen über der Stadt niedergeht, dreht Timo sein Radio lauter. Der 41-jährige FES-Mitarbeiter leert in den westlichen Stadtteilen Frankfurts die Sinkkästen unter den Gullydeckeln. Ein wichtiger Job, denn verstopft ein Sinkkasten, kann das Wasser nicht mehr in die Kanäle ablaufen. Überschwemmte Straßen und Unterführungen wären die Folge.

Seit vier Jahren macht Timo diese Arbeit, und er macht sie gern. „Draußen bin ich mein eigener Chef. Und viele Leute sind dankbar.“ Rund 15.000 Sinkkästen gibt es allein im Frankfurter Westen. In der ganzen Stadt sind es etwa 63.000, und jeder soll pro Jahr mindestens zweimal geleert werden. Je nach Örtlichkeit ist das aber auch öfter nötig.

Fast immer sind die Sinkkästen am Fahrbahnrand eingelassen. Oft liegen sie nur wenige Meter auseinander, sodass Timo nicht unbedingt große Strecken zurücklegt. Nach und nach fährt er sie mit seinem kleinen Tremo-Spezialfahrzeug ab. Mit Stemmeisen oder Hammer löst er den Deckel. Ein hydraulischer Kran hebt dann den über 20 Kilogramm schweren Metalleimer aus seiner Fassung. Mit einem Rüttelmechanismus wird der Inhalt schließlich auf die Ladefläche entleert: Schwarzer Schlick, versetzt mit Laub und Unrat.

Um sicherzugehen, dass der Abfluss auch frei ist, leuchtet Timo das schwarze Loch dann noch aus. „Wenn noch Wasser drin steht, müssen Kollegen mit dem Hochdruckspüler kommen.“ Dieser Moment lässt auch den einen oder anderen Passanten innehalten. Vor allem auf Kinder, so erzählt Timo, übt das schwarze Loch im Boden eine magische Anziehungskraft aus.

Etwa 120 Sinkkästen schafft Timo so pro Tag – wenn es gut läuft. Denn immer wieder kommt es vor, dass Gullys zugeparkt sind. Dann muss Timo später oder an einem anderen Tag wiederkommen. Frust schieben ist aber seine Sache nicht. Eher sieht er es als Herausforderung. „Das ist für mich wie beim Sport. Ich denke mir: Irgendwann kriege ich dich. Und irgendwann kriege ich sie tatsächlich alle.“